Dieser Kommentar stammt von dem schwedischen TV-Moderator Rickard Olsson. Er sagte dies im Zusammenhang mit der Niederlage der deutschen Frauennationalmannschaft gegen Brasilien. Er empfinde in der Vebindung von Deutschland und Hitler wenig Mitleid, wenn die Deutschen im Fußball eins auf die Nase bekämen. Nach Kritik von Zuschauern äußerte sich Olsson: "Aber warum soll man nicht über die Gefühle sprechen, die viele noch haben? Soll man so tun, als würden sie nicht existieren?"
Sein Auspruch war sogar der aktuellen Zeit Nr. 35 einen Eintrag in der Kategorie "Worte der Woche" wert.
Dass den deutschen Frauen die Goldmedallie wegen der Erinnerung an den Nationalsozialismus nicht gegönnt sein soll zeugt von Respekt- und Geschmacklosigkeit. Gerade der Bereich des Frauenfußballs, der in den letzten zwei Jahrzehnten so hart um Akzeptanz und Aufmersamkeit kämpfen musste befand sich im letzten Jahr immer wieder im Fadenkreuz von respektlosen und sexistischen Bemerkungen.
So verunglimpfte am 24. April dieses Jahres Oliver Pocher in seiner Show "Die Bayern-WG" die Frauenfußballerinnen als "Zick-Zack-Lesbenpack". Die übernommene Beleidigung von Minderheiten "Zick-Zack-Zigeunerpack" ließ also nicht nur einen sexistischen, sondern auch einen rassistischen Unterton spüren.
Dass Olsson sich für die Zusammenhänge in seinem Ausspruch nicht rechtfertigen will und sie eher noch durch den Verweis auf eine verbreitete Meinung stützt, ist mehr als Unverständlich. Selbst in der äußerst faschistoid geprägten italienischen Liga werden Aussagen, Gesten oder Symbole, die sich auf den Nationalsozialismus beziehen bestraft.
Neben allem Unverständnis über die Äußerung des schwedischen Moderators, zeigen die häufigen Entgleisungen der letzten Jahre auch eine größere Aufmerksamkeit gegenüber dem Frauenfußball. Wünschenswert sind diese verbalen Mißtritte nicht, aber verständlich ist ihr Hervortreten schon, bedenkt man, wie jung und unerforscht die Medienlandschaft um den Frauenfußball ist. Die Themen geraten zum ersten Mal in ein größeres Rezipientenfeld und man merkt diesem Aufscheinen eine Unsicherheit an. Wie soll man sich über eine Sportart äußern, die sich so stark wie nie auf der Grenze zwischen Grenz- und Populärsportart bewegt? Es gibt keine Strukturen, die hier als Vorbild dienen können. Gleichzeitig wird verständlicherweise jede Äußerung in der Öffentlichkeit auf die Goldwaage gelegt. Man merkt auf jeden Fall: ihren Platz in einer medialen Öffentlichkeit muss der Frauenfußball erst noch finden. Dabei ist es eigentlich wünschenswert, dass sich Form und Inhalt immer wieder aneinander reiben. Doch auf sexistische Aussprüche und Bezüge zum Nationalsozialismus will man eigentlich verzichten.
FrauenFußballCommunity
Sonntag, 24. August 2008
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2 Kommentare:
Nicht nur eigentlich, sondern definitiv möchte man auf derart oberflächliche Analogien bitte verzichten.
Sie zeugen weniger von einer Auseinandersetzung mit Fußball, sondern von einer immer noch aktuellen Virulenz der Shoah, des Nationasozialismus und des Rassismus, der jedoch ein anderer Raum zugesprochen werden sollte als eine billige Fußnote in einem Fußballkommentar.
Zustimmen würde ich jedoch der Tatsache, dass der Frauenfußball im Medienfeld noch zwischen Lachnummer und neuer Goldgrube hin und herpendelt. Als kleines Gegenbeispiel zu den Verunglimpfungen durch Pocher und Co möchte ich die gestrige Sportschau anbringen, in der (zumindest meines Wissens nach) erstmals ein Tor einer Fußballerin mit in der Auswahl des Tors der Woche gezeigt wurde (nämlich Simone Laudehrs Treffer gegen Schweden) und prompt mit 37% gewonnen hat.
hehe mayte nicht ganz zum erstenmal, aber dieses mal gewonnen. Das hat zuvor noch keine aus dem Frauenfußball geschafft.
Jedenfalls fängt ja dieses Wochenende die neue Saison an, und ob Olympia bei den deutschen Zuschauern gefruchtet hat bleibt abzuwarten.
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