Vor zwei Tagen schossen die deutschen Fußballfrauen zwei Tore im Viertelfinale der Olympischen Spiele gegen Schweden - ein quälendes Spiel, bei dem die Weltmeisterinnen nicht gegen schwache Schwedinnen, sondern gegen sich selbst zu spielen schienen. Viel Kritik, viel Unverständnis ist im Anschluss an dieses Spiel laut geworden: Trotz dem hohen Tempo der Deutschen reihte sich Fehlpass an Fehlpass, schien es der Mannschaft an Durchschlagskraft und Ideen zu mangeln, wurden Chancen nicht verwertet und obwohl sich Silvia Neid am Spielfeldrand die Haare raufte ging in 120 Minuten Spiel nur eine einzige Spielerin vom Platz: Linda Bresonik in der 69. Minute mit Außenbandriss.
Aber nicht nur das Niveau des deutschen Fußballspiels stand an diesem Tag zur Disposition: Der Kommentator der ARD verirrte sich zwischenzeitlich in die Epoche, da Fußballweltmeisterinnen von altväterlichen Männern mit einem Kaffeeservice beglückt wurden. Das "Lächeln eines Models" attestierte der Kommentator der Schwedin Landström, als diese erstmals den Ball neben das gegnerische Tor köpfte - nur um dies zu Beginn der zweiten Halbzeit in der einzig guten Phase der Schwedinnen zu revidieren, um kurzzeitig von einem "Killerblick" zu sprechen. Während die Deutschen im Mittelfeld noch nach Ideen suchten, plauderte es bei der ARD aus dem Nähkästchen: Die Spielerinnen müssten sich ja wirklich nicht beschweren, denn in ihrem Hotel würde schon ab und zu mal ein Sonderwunsch aus der Küche erfüllt - ein klares Süppchen mit Eierstich wäre da schon drin.
Der deutsche Frauenfußball ist - vor allem seit der gewonnenen Weltmeisterschaft - auf Erfolgskurs in den Medien. Wie aber wird der Frauenfußball in den Medien präsentiert? Bis heute ist selbst bei so hochkarätigen Spielen wie einem olympischen Virtelfinale eine Differenz in der Kamera- und Schnittdynamik im Vergleich zu Spielen der Männer zu beachten. Unabhängig von tatsächlichen Bewegungen auf dem Platz lässt dieses Verfahren die Spiele in einem anderen Licht, in anderer Bewegung erscheinen. Die Aufzeichnungen eines Fußballspiels sind eben nicht einfach ein dokumentarisches Verfahren, sondern eine hochkomplexe Inszenierung. Gleiches gilt für den Menschen, den man als Zuschauer im Bestfall gar nicht wahrnimmt, obgleich er ausspricht, was man gleichzeitig sieht: Den Kommentator - der beim Fußball immer noch ausschließlich männlich ist. Warum eigentlich? Natürlich braucht es keineswegs biologisch-weibliche Voraussetzungen, um das Spiel einer Frauenfußballmannschaft zu kommentieren. Gleichermaßen lässt sich an einem Spiel wie dem Duell Deutschland gegen Schweden eine soziale Problematik ablesen, in der ein männlicher Kommentator nicht die sportliche Leistung als Experte diskutiert, sondern einen chauvinistischen Blick auf junge Frauen wirft - so als würde man bei einem Kopfball von Michael Ballack über seine mögliche Qualität als Callboy fachsimpeln.
Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft hat bei diesem letzten Spiel sehr zu wünschen übrig gelassen. Der Kommentar dieses Spiels ebenso. Trotzdem hat man sich am Ende der 120 Minuten gegenseitig auf die Schulter geklopft: Man wieder gewonnen, mal wieder zu Null, alles herrlich.
FrauenFußballCommunity
Sonntag, 17. August 2008
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